Archive | Januar 2012

Die Antike – eine fremde Welt

Bei meinen bisherigen Erfahrungen mit Invictus-Spielrunden wurde ein Problem des Settings im alten Rom deutlich, das gerade Cthulhu-Spielleiter wohl nur zu gut kennen, das aber andererseits ein grundsätzliches Rollenspiel-Problem – speziell in lockeren Casual-Runden oder bei One-Shots – sein dürfte. Die Rede ist von der Unkenntnis der Spieler in Bezug auf die Welt, in der sie sich mit ihren Charakteren innerhalb des Szenarios bewegen sollen.

Schon in rein fiktiven Spielwelten ist es für Neueinsteiger aber auch für Gelegenheitsspieler manchmal schwierig, sich in ihre Rolle hinein zu versetzen, vor allem, wenn Gesellschaftsordnung oder Jurisdiktion von derjenigen, in welcher sich der Spieler in seinem alltäglichen Leben bewegt, stark abweichen. Nun ist die römische Antike des ersten Jahrhunderts ebenfalls in vieler Hinsicht eine fremde Welt, was Politik, soziale Hierarchien und Moralvorstellungen angeht und vor allem solche Spieler, die kein privates Interesse an Geschichte, bzw. speziell antiker Geschichte mitbringen, sind oft nur spärlich über die Unterschiede informiert. Ganz ähnlich wie bei neuen fiktiven Hintergründen stellt sich in einer solchen Situation für den Spielleiter die Frage, wie er seine Spieler an die Eigenarten der Spielwelt heranführt, ohne sie mit endlosen Vorträgen oder dicken Handreichungen in gedruckter Form zu langweilen. Immerhin soll das Rollenspielen ja vor allem Spaß machen und keine Studienleistung erbracht werden.

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Lovecraft und die Antike (I)

Wenn man sich mit der Idee, den Cthulhu-Mythos in der Antike zu erleben, eine Weile beschäftigt, dann fragt man sich irgendwann geradezu zwingend, wie H. P. Lovecraft, der Begründer dieses Mythos, es denn selbst mit dieser Epoche gehalten hat. Interessanterweise kann man in seinen Arbeiten eine ganze Reihe an Hinweisen zu seinem Verhältnis gegenüber den alten Griechen und Römern finden. In dieser losen Reihe möchte ich einige davon vorstellen.

Im ersten Teil soll eine Passage aus Lovecrafts autobiographischer Schrift Some Notes on a Nonentity (1933) im Mittelpunkt stehen. Hier erklärt der Autor, wie er bereits im zarten Alter von sechs Jahren die griechisch-römische Mythologie für sich entdeckte:

When I was six years old I encountered the mythology of Greece and Rome through various popular juvenile media, and was profoundly influenced by it. I gave up being an Arab and became a Roman, incidentally acquiring for ancient Rome a queer feeling of familiarity and identification only less powerful than my corresponding feeling for the eighteenth century. In a way, the two feelings worked together; for when I sought out the original classics from which the childish tales were taken, I found them very largely in late seventeenth and eighteenth century translations. The imaginative stimulus was immense, and for a time I actually thought I glimpsed fauns and dryads in certain venerable groves. I used to build altars and offer sacrifices to Pan, Diana, Apollo, and Minerva.

Den Einfluss, den diese Phase seiner Kindheit noch auf sein späteres Wirken haben sollte, kann man vielleicht abschätzen, wenn man die erstmals 1920 veröffentlichte Erzählung Poetry and the Gods liest, deren Mittelteil von einer Zusammenkunft griechischer Göttergestalten auf dem Parnassus berichtet. Dieses Stück schwere Kost hat zum Glück weiter keine große literarische Bedeutung – und auch für den Mythos rund um Cthulhu ist die Geschichte irrelevant. Anders allerdings andere seiner Geschichten, in denen Lovecraft sein Interesse für die Antike offenkundig hat sichtbar werden lassen. Doch dazu später mehr.

Charakterdatenblätter

Auf der Seite mit den Materialien zu Cthulhu Invictus sind ab sofort mehrere Links zu verschiedenen Versionen von Charakterbögen zu finden. Sowohl die Originale von Chaosium und von Miskatonic River Press, inklusive ausfüllbarer PDFs, als auch alternative Versionen von Spielern und Fans stehen zum Herunterladen im Netz bereit. Insbesondere die „Hardcore Roman“-Fassung von Cthulhu Reborn, die ausschliesslich römische Zahlen anstelle von arabischen Ziffern verwendet, ist einen Blick wert.

Lux in Tenebras – oder: der Lokativ im Lateinischen

Die neueste Publikation zu Cthulhu Invictus aus dem Hause Miskatonic River Press heißt Lux in Tenebras. Ja richtig gelesen: in tenebras. Wenn Dich dieser Titel beim Lesen wundert und Du stattdessen eher in tenebris erwartet hättest, dann mach Dir keine Sorgen: Dein Gefühl trügt Dich nicht! Da hat jemand bei MRP anscheinend geschlafen – oder kann schlichtweg kein Latein.

Dabei wäre dieser Fehler eigentlich leicht zu vermeiden, wenn man die Verwendung der Kasus im Lateinischen korrekt beherrscht. Der Untertitel des Bandes heißt nämlich ganz eindeutig „A Light in Darkness“. Somit ist in tenebras klar als Lokativ zu verstehen. Der Satzteil antwortet auf die Frage „Wo?“. Der korrekte, lateinische Kasus, um auf diese Frage zu antworten, ist der Ablativ – und dieser lautet beim Plural-Wort tenebrae eben tenebris. Der im Titel des oben genannten Produkts verwendete Akkusativ kommt hingegen nur als Antwort auf die Frage „Wohin?“ in Betracht. Dann müsste m. E. im Englischen aber „A Light into Darkness“ stehen, um eine äquivalente Satzaussage zu tätigen.

Ich habe bereits eine elektronische Anfrage an MRP geschickt in der Hoffnung, dass sie den Fehler korrigieren (immerhin handelt es sich um ein rein elektronisch vertriebenes Produkt, das sollte also eigentlich ein Leichtes sein) oder aber zumindest eine Erklärung nachliefern. Vielleicht habe ich ja tatsächlich irgendeine grammatikalische Besonderheit übersehen?

Spielbericht „Prophylaxis Panacea Efqa“

Im folgenden eine knappe Zusammenfassung meiner ersten Cthulhu Invictus Spielrunde, organisiert auf http://rpg-koeln.de. Der Spielbericht enthält nicht unerhebliche Spoiler und Anmerkungen aus Spielleiterperspektive. Daher ist eine Lektüre für Spieler (egal, ob sie grade noch in diesem Abenteuer hängen oder es in ferner Zukunft spielen wollen/könnten) nicht zu empfehlen! Spielleiter können anhand des Spielberichts eventuell ein besseres Gefühl für das Szenario erhalten und die Geschichte besser an ihre Spielgruppe anpassen.

Spieler:

  • Batman als Marcus Livius Vincentius, 39, Zenturio der 1. Zenturie, 1. Kohorte der Legio III Gallica, kurz vor dem Ruhestand.
  • Serienheld als Publius Curius Novus, 23, junger Weinhändler aus Rom auf Auslieferung, mit hohem Statusbewusstein

Spielzeit: ca. 7 Stunden in einer Sitzung am 26.10.2011

I. Ausgangslage und Einbinden der Charaktere

Wir schreiben das Jahr 80 n. Chr. bzw. 834 A.U.C. In dem kleinen, in der Provinz Syria gelegenen Wüstenstädtchen Palmyra – für die Römer ein wichtiger Umschlagplatz für den Handel der Region – geht es nach Augenzeugenberichten nicht mit rechten Dingen zu: Seit Monaten wird die Stadt vom Ausbruch verschiedenster Krankheiten in Atem gehalten. Da auch die Hälfte der in Palmyra stationierten Legionäre erkrankt und ein Großteil sogar gestorben ist, kann der dortige Stadtpräfekt Decimus Flavius Malleolus die ihm übertragenen Aufgaben – Sicherung des Friedens ins der Stadt und der Handelswege in ihrem Umkreis – nicht mehr in vollem Umfang wahrnehmen. Tatsächlich droht die Lage sogar, noch schlimmer zu werden. Daher schickt er eine Nachricht ins nahe gelegene Emesa, wo die Legio III Gallica stationiert ist, und bittet eindringlich um Hilfe.

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