Archive | Juli 2012

Lovecraft und die Antike (III)

Die bisherigen Beiträge in dieser Reihe beschäftigten sich zum Einen mit Howard Phillips Lovecrafts jugendlicher Begeisterung für die Antike (vgl. Lovecraft und die Antike I) sowie zum Anderen mit zwei seiner frühen Erzählungen, die zwar eindeutige, aber eher nebensächlichere Bezüge zum römischen Altertum aufwiesen (vgl. Lovecraft und die Antike II). Zum (vorläufigen?) Abschluss dieser Mini-Serie muss nun aber zumindest noch die eine Mythos-Geschichte hervorgehoben werden, die die Antike nicht nur als Dekoration benutzt und aus der Gegenwart heraus betrachtet, sondern deren Handlung als einzige tatsächlich in diesem Zeitalter angesiedelt ist. Die Rede ist natürlich von „The Very Old Folk“ (1927; deutsch: „Das Uralte Volk“).

Schon der Ursprung dieser kurzen Erzählung ist legendär – und wird von Daniel Harms, dem Autor der berühmten Cthulhu Encyclopedia, in der Usenet-Gruppe alt.horror.cthulhu so überliefert: Lovecraft habe, nachdem er zuvor in der Aeneis des Vergil gelesen hatte, in der Halloween-Nacht 1927 einen Traum gehabt. Aus diesem Traum seien dann drei Briefe entstanden, die alle im Kern die gleiche Geschichte enthielten, sich aber im Grad der Ausarbeitung der Prämisse und im konkreten Wortlaut teils stark voneinander unterschieden. Nur eine dieser Brieffassungen, diejenige, die an Donald Wandrei ging, wurde später (erst 1940) veröffentlicht, die beiden anderen Versionen gingen zunächst für die Öffentlichkeit verloren, bis Lovecrafts gesammelte Schriften vom Verlag Arkham House verfügbar gemacht wurden, in denen seine Briefe mit abgedruckt sind. Dass aber überhaupt eine der Varianten in Form eines Fragments als eigenständiger Text unter seinem Namen publiziert wurde, war von Lovecraft ursprünglich gar nicht beabsichtigt. Er hatte zwar mit der Idee gespielt, dann aber sein Interesse an ihr verloren und sie Frank Belknap Long überlassen, welcher sie schließlich in seiner Novelle „The Horror from the Hills“ einbaute. Mit diesem Hinüberwechseln der Erzählung in die Hände eines anderen Autors endet verständlicherweise Harms Interesse an der Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte.

Weiterlesen …

Advertisements

RPPR Actual Play Podcast „Cthulhu Invictus“

Grundsätzlich halte ich ja wenig davon, über Spiele, Bücher, Podcasts o.ä. zu berichten, die ich selbst noch nicht bespielt, gelesen oder gehört habe. Beim Cthulhu Invictus Podcast des Roleplaying Public Radio (RPPR) mache ich jedoch mal eine Ausnahme, denn bis ich diese Marathon-Aufzeichnung von insgesamt fast 10 Stunden Dauer komplett durchgehört habe, dürfte noch einige Zeit ins Land ziehen. Das liegt aber auch an meinem Unvermögen, Rollenspiel-Podcasts über einen längeren Zeitraum aufmerksam folgen zu können. 😉

Meinen Lesern soll diese Perle der Direkt-Spielberichterstattung in 3 Akten aber nicht wegen solcher Kleinigkeiten vorenthalten bleiben. Wer Spielleiter Ross Payton und seinen vier Mitspielern (deren Namen leider im allgemeinen Chaos der Runde kaum zu verstehen sind) ins alte Rom folgen und dort im Abenteuer Morituri te salutamus (Bowser/Newton, Cthulhu Invictus Companion, Chaosium 2011) mit einer antiken – und allem Anschein nach eher pulpigen – Interpretation des lovecraftschen Mythos konfrontiert werden möchte, kann dies über die folgenden Links tun. (Die Verweise sind KEINE Direktlinks auf die Audio-Dateien, sondern führen jeweils zu den Session-Seiten!)

Der 13. Gott des Olymp

Wer lange genug nach deutschem Quellen- oder Abenteuermaterial für Cthulhu Invictus sucht, wird manchmal tatsächlich belohnt: In der 17. Ausgabe des inzwischen leider eingestellten Fanmagazins Cthuloide Welten findet sich ein 10-seitiger Artikel über einen altgriechischen Kult, welcher auch für das Invictus-Setting ggf. interessant sein könnte – wenn der SL denn bereit ist, ein wenig Hand anzulegen. Denn „Der 13. Gott des Olymp“, im englischen Original von Ben Counter, sieht eigentlich vor, dass der besagte Kult des Iresbeus, des Gottes der Zersetzung und des Vergessens, im Jahr 404 v. Chr. von den spartanischen Besatzern Athens zerschlagen wird und dann erst wieder in der Neuzeit auftaucht – zuerst in Form archäologischer Funde, später aber auch wieder als echte Organisation, die natürlich nichts gutes im Schilde führt.

Weiterlesen …

Erfahrungsbericht FeenCon 2012

Die von der Gilde der Fantasy-Rollenspieler organisierte Rollenspiel-Convention „FeenCon“ in der Bad Godesberger Stadthalle hat einen guten Ruf. In der lokalen RPG-Szene wird sie stets als gemütliches Treffen beschrieben, auf dem tatsächlich noch viel gespielt wird und auf dem man viele bekannte aber langvermisste Gesichter wiedersehen kann. Aber auch überregional erfreut sich die Veranstaltung bei Spielern, Herstellern sowie Verlagen anscheinend eines guten Rufs, oder wie sollte man sonst die Anwesenheit aller Branchengrößen und das teilweise über weite Entfernungen angereiste Publikum erklären? Da ich selbst dieses Jahr zum ersten Mal auf der FeenCon zu Gast war, will ich die Gelegenheit nutzen, im ersten Teil dieses Berichts allen zukünftigen Besuchern – insbesondere den Spielleitern – den ein oder anderen Eindruck zu vermitteln und Ratschlag zu erteilen, bevor es im zweiten Teil dieses Artikels dann konkret im die Cthulhu Invictus Runde „Vinea Perversa“ gehen wird.

Weiterlesen …

Spielrunde auf der FeenCon

Am kommenden Samstag, dem 14.07.2012, werde ich auf der Bonner FeenCon eine Schnupper-Runde Cthulhu Invictus anbieten. Gespielt wird Tom Lynchs „Vinea Perversa“ aus dem von Miskatonic River Press herausgegebenen Band „Lux in Tenebras“. Der Original-Text der Anmeldung:

Cthulhu Invictus
„Vinea Perversa“
Zeit: Samstag, 12-15 Uhr
max. Teilnehmer: 4
Beschreibung: Cthulhu Invictus ist eine Variante des Call of Cthulhu-RPGs, die den cthuloiden Schrecken auf die römische Antike treffen lässt. In Deutschland leider noch kaum gespielt und wenig unterstützt ist diese Runde ein bescheidener Versuch mehr Freunde des historischen Horrors zu mobilisieren. +++ Die Standards (Papier, Würfel) müsst ihr selbst mitbringen, Charaktere werden gestellt. +++ Die Dauer der Spielrunde ist eine grobe Schätzung. Je nach Spielstil kann das Szenario auch schneller oder langsamer durchgespielt sein.

Ein Erfahrungsbericht von der Con, dann hoffentlich auch inkl. ausführlichem Spielbericht, ist selbstverständlich bereits geplant.