Der 13. Gott des Olymp

Wer lange genug nach deutschem Quellen- oder Abenteuermaterial für Cthulhu Invictus sucht, wird manchmal tatsächlich belohnt: In der 17. Ausgabe des inzwischen leider eingestellten Fanmagazins Cthuloide Welten findet sich ein 10-seitiger Artikel über einen altgriechischen Kult, welcher auch für das Invictus-Setting ggf. interessant sein könnte – wenn der SL denn bereit ist, ein wenig Hand anzulegen. Denn „Der 13. Gott des Olymp“, im englischen Original von Ben Counter, sieht eigentlich vor, dass der besagte Kult des Iresbeus, des Gottes der Zersetzung und des Vergessens, im Jahr 404 v. Chr. von den spartanischen Besatzern Athens zerschlagen wird und dann erst wieder in der Neuzeit auftaucht – zuerst in Form archäologischer Funde, später aber auch wieder als echte Organisation, die natürlich nichts gutes im Schilde führt.

Da die lange „Schaffenspause“ des Kultes aber keine größere Bedeutung hat, sondern nur ein Kunstgriff ist, um den Artikel im Sinne des Verfassers auf Cthulhu Now zuschneiden zu können, kann man sie auch getrost ignorieren und die Geschichte des geheimen Zirkels sehr einfach umschreiben. Tatsächlich ist dazu kaum Aufwand nötig, wenn man die Ereignisse im Jahr 404 so interpretiert, dass einige Anhänger des Kultes ihrer Hinrichtung entkommen konnten und auf diese Weise zumindest die Erinnerung an den angebetenen Gott und einige der Ritual-Praktiken erhalten bleibt. Vielleicht lässt man auch ein paar der im Artikel beschriebenen besonderen Artefakte aus Athen herauskommen, oder zumindest derart verschwinden, dass sie etwa 500 Jahre später wieder ans Tageslicht gelangen können. Dann wäre auch ein materieller Bezug zum alten Kult gegeben.

Politisch und geographisch sollte die Entdeckung des Kultes, seiner Geschichte oder des angebeteten Gottes auch keinerlei Schwierigkeiten bereiten, gehört Athen doch, wie ganz Griechenland, seit 146 v. Chr. zur römischen Provinz Graecia und ist dadurch für Römer leicht zugänglich. Auch die Erforschung griechischer Altertümer und Legenden mag dem einen oder anderen gelehrten Römer mehr als reizvoll erscheinen. Man darf nicht vergessen, dass trotz des römischen Überlegenheitsgefühls in politischen und militärischen Belangen, immer wieder heranwachsende Männer aus römischen Familien zu Studienzwecken nach Griechenland geschickt wurden (so u.a. etwa auch Gaius Iulius Caesar). Neben Bildung gab es in Griechenland aber auch sehr handfeste Dinge zu erwerben: Gold, Silber, Kupfer, Eisenerz und Marmor sind hier reichlich vorhanden, weshalb eine geschäftliche Reise in den Osten des Reiches ebenfalls eine Option darstellen dürfte, die Spielercharaktere auf die Fährte des Kultes kommen zu lassen. Natürlich kann man auch den umgekehrten Weg gehen und die Anhänger des Iresbeus, seine Rituale oder ihn selbst irgendwie nach Rom gelangen lassen.

Möglich wäre schließlich auch eine komplett von dem altgriechischen Kult unabhängige Nutzung des Gottes Iresbeus, der sich in seiner Funktion auch leicht in römischen Gefilden manifestieren können sollte. Der ein oder andere Spielleiter mag geneigt sein, den eigentlich griechischen Hintergrund ganz in einen römischen zu verwandeln. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und meiner bescheidenen Ansicht nach lohnt solch eine Übernahme durchaus. Die im Artikel vorgestellten Zauber, Artefakte, Motivationen und NSC lassen sich recht simpel in einen römischen Kontext setzen und sind, was ihre Effekte im Spiel angeht, nicht zu unterschätzen. Genauso bietet sich allerdings die Variante an, die eigentlich für Cthulhu Now vorgesehene Storyline ins 1. Jh. n. Chr. zurück zu verlegen. Die Römer mögen keine so großen „Wissenschaftler“ (Philosophen?) gewesen sein, wie die Griechen, aber ein paar Gelehrte, die die Geschichte wieder aufleben lassen wollen, findet man immer. (Man bedenke, dass zwischen dem ersten Auftreten des Kults und dem Invictus-Setting immerhin ca. 500 Jahre liegen!)

Wie man es auch dreht und wendet: Am Ende ist nur noch entscheidend, ob man seinen Spieler eigentlich tatsächlich die wirklich abscheulichen Rituale des Kultes antun möchte, oder nicht. Wer Probleme mit blutigen Kinderopfern oder Gore-Ästhetik hat, sollte wohl eher die Finger vom Kult und seinem Gott lassen.

Advertisements

Schlagwörter: , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: