Digitale Karten der Antiken Welt

Gedruckte historische Karten oder gar Atlanten sind teuer – und zeigen dann doch meist nicht das, was den Invictus-Spielleiter interessiert: kleinere Ortschaften (inkl. ihrer antiken Namen), Verkehrswege, Reisezeiten und Verkehrskosten. Dabei lebt Cthulhu, zumindest in seiner deutschen Variante, zum Teil von der Verknüpfung von akkurater oder zumindest glaubhafter Historie mit der Fiktion des Mythos. Es wäre also ganz gut, wenn man zumindest als Spielleiter entsprechende Daten zur Verfügung hätte – für den Fall etwa, dass die Spielercharaktere eine Reise durch das Imperium Romanum unternehmen wollen bzw. Nachrichten oder Waren verschicken möchten. Bislang waren gedruckte Karten und grobe Überschlagsformeln das Hilfsmittel der Wahl, doch nun gibt es gleich zwei Projekte, die wunderbar als Spielhilfe für solche Fälle genutzt werden können.

Das erste und deutlich vielseitigere Projekt heißt ORBIS – The Stanford Geospatial Network Model of the Roman World [http://orbis.stanford.edu/]. Mit dem hier zur Verfügung gestellten Routenplaner lassen sich Reisewege, -zeiten und -kosten schnell und komfortabel errechnen. Das Programm bietet eine ganze Reihe von Einstellmöglichkeiten: etwa ob es sich um eine militärische oder zivile Reise handelt, welche Verkehrswege genutzt werden sollen und fragt sogar  danach, ob Geschwindigkeit, Kosten oder die reine Weglänge die Priorität haben. Auch die Jahreszeit des Aufbruchs wird abgefragt, da diese speziell für Schiffsreisen oder Bergpassagen von größerer Bedeutung sein kann. Man erhält schließlich ein sehr ausführliches Ergebnis, das ideal ist, um einen realistischen Eindruck von der Reise geben zu können.  Zusätzlich gibt es zudem noch eine Reihe an weiteren, vorbereiteten Karten (z.B. zur Getreideversorgung Roms). Der Screenshot zeigt das Rechenergebnis für den Weg von Rom zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln).

Das zweite Werkzeug heißt PELAGIOS [http://pelagios.dme.ait.ac.at/maps/greco-roman/] und ist der Versuch, eine annotierte Karte der griechisch-römischen Antike auf der Grundlage von Google Maps zu erstellen. Hier gibt es (noch) keine interaktiven Funktionen, man kann aber schon Ortschaften suchen und einen Eindruck von der Geographie und Entfernungen im Römischen Reich gewinnen. Natürlich werden auch hier die antiken Namen der Ortschaften verwendet. So wie ich die knappe Projektbeschreibung verstehe, soll die Karte zudem nach und nach mit Informationen zu Fundstellen und ähnlichem versehen werden, um einen größeren Mehrwert für Wissenschaft und Lehre zu schaffen. Bislang jedoch wirkt die Karte diesbezüglich eher leer (oder ich finde den Knopf nicht, um diese Daten einzublenden). Spannend ist, dass auch das ORBIS-Team aus Stanford Daten an PELAGIOS liefert. Möglicherweise wird letzteres daher in Zukunft doch noch mächtigerer werden.

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2 responses to “Digitale Karten der Antiken Welt”

  1. tannjew says :

    Hast du ev. auch eine gute Quelle für historische Karten, z.B. von CCAA, die man im Spiel verwenden könnte?

  2. Dis Pater says :

    Im ersten Band der „Geschichte der Stadt Köln“ gibt es hinten eine Karte der CCAA aus dem 2./3. Jh. Ansonsten sind Pläne zur Colonia schwer öffentlich zu finden. Ich nehme an, dass man dafür tiefer in der Fachliteratur graben müsste. Wenn ich was finde, sag ich Bescheid.

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