Archive | April 2013

Muzski „The Very Old Folk“

Gestern erst drauf aufmerksam gemacht worden: Auf DeviantArt hat Muzski eine kleine Reihe von insgesamt sechs Cover-Ideen zu klassischen Lovecraft-Geschichten veröffentlicht. Besonders jenes zu „The Very Old Folk“ fand ich erwähnenswert. Aber auch die anderen Bilder können sich sehen lassen – wenn sie auch ein wenig formelhaft immer eine sehr ähnliche Szene wiederholen und dem ein oder anderen möglichweise zu cartoonesk sein dürften. Ein Klick aufs Bild bringt Euch direkt zur großen Version des Bildes auf der Seite des Künstlers.

"The Very Old Folk" by Muzski

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Geschichten zum Mythos in der römischen Antike gesucht

Nach dem (inzwischen mehrfachen) Lesen von Lovecrafts Gesamtwerk und nach inzwischen mehr als einhundert Mythos-(Kurz-)Geschichten aus der Feder von fast genauso vielen Autoren steht eindeutig fest: Es mangelt der Literaturlandschaft an Mythos-Erzählungen, die in der römischen Antike spielen! Entweder die entsprechenden Texte liegen (wie bei mir) unfertig in Schubladen und auf Festplatten brach – oder es gibt sie tatsächlich nicht. Doch Letzteres kann ich ehrlich gesagt kaum glauben.

Wenn aber selbst in einem Band wie Historical Lovecraft – Tales of Horror through Time (hrsg. v. Silvia Moreno-Garcia und Paula R. Stiles, Innsmouth Free Press, 2011) keine einzige Geschichte zu finden ist, die in römischer Zeit bzw. unter Römern spielt, dann macht das zugegebenermaßen stutzig. Im ersten Kapitel „Ancient History“ tauchen hier zwar Erzählungen aus dem neusteinzeitlichen Mesopotamien, Akkadien/Sumer, dem archaischen bzw. klassischen Griechenland, dem Ägypten der 18. Dynastie und Palästina sowie sogar aus dem indisch-chinesischen Grenzgebiet des 5 Jh. auf – an die ewige Stadt, ihre Bewohner und Provinzen hat sich aber keiner der Autoren herangetraut. Über mögliche Gründe dafür, diesen Kulturraum auszulassen, kann dabei nur spekuliert werden. Insbesondere, da die Veröffentlichungen rund um Chaosiums Cthulhu Invictus den Herausgebern doch bekannt gewesen sein dürften.

Am so oft gehörten Vorurteil, man könne die Atmosphäre des Mythos nicht oder nur schwer in antike Kulturen übertragen, kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn unter den hier aufgeführten Geschichten gibt es durchaus solche, die gut funktionieren. Man muss sich allerdings auf das besondere Setting einlassen – und vor allem sorgfältig mit seiner Sprache umgehen. Das Störendste bei der Lektüre der oben gelisteten Erzählungen war jedenfalls regelmäßig nicht die schwache Recherche oder die oft nur blasse Ausgestaltung des historischen Hintergrunds, sondern viel eher die selbstverständliche Verwendung von sprachlichen Modernismen und Neologismen in zeitlichen Kontexten, in denen die Menschen mit den entsprechenden Konzepten nichts anfangen konnte. Entsprechend ist der stilistisch beste Text tatsächlich der eines Fachmannes (Alter S. Reiss), der bewusst den Stil der von ihm beschriebenen Zeit kopiert.

Wie dem auch sei: Wer eine Mythos-Geschichte in antik-römischem Kontext findet, der weise mich bitte auf diese hin (per Kommentar oder E-Mail)!

Wie dekliniert man eigentlich … Cthulhu?

In dieser neuen, nicht ganz so ernst gemeinten Reihe, widme ich mich den grammatischen Schwierigkeiten, die der Cthulhu-Mythos in der römischen Antike mit sich bringt.

Wenn am Spieltisch echt-römische Atmosphäre aufkommen soll, dann sind lateinische Floskeln oder gar aufwendig gestaltete Handouts in der Sprache der Römer, die zum Beispiel Inschriften, Briefe, Zauber oder Ähnliches repräsentieren sollen, ein naheliegendes Mittel, um diese Stimmung zu erzeugen. Dumm nur, dass die Römer bestimmte Vokabeln wie etwa „Cthulhu“ noch nicht kannten, man die grammatischen Basis-Informationen zu diesem Wort also nicht einfach im Stowasser oder im Georges findet. Dementsprechend habe ich ersteinmal selbst festlegen müssen, in welche Deklinationen etwa die Namen der Mythos-Götter hineingehören – hier erstmal der Vorschlag für die bekanntesten fünf:

  • Cthulhu, Cthulhus n. (ggf. m. als Sonderfall)
  • Cyaega, Cyaegae m.
  • Dagon, Dagonis m.
  • Hastur, Hasturis m.
  • Nyarlathotep, Nyarlathotepis m.

Im Falle von „Cthulhu“ sähe die Deklinationstabelle also so aus:

  Singular Plural
Nominativ Cthulhu entfällt
Genitiv Cthulhus entfällt
Dativ Cthulhui entfällt
Akkusativ Cthulhu (!) entfällt
Ablativ Cthulhu entfällt

Ob man dem Großen Alten dann ausnahmsweise das männliche Geschlecht zusprechen will (grammatisch läge eher das Neutrum nahe), ist eine Geschmacksfrage. Ich persönlich finde die Idee passend, Cthulhus natürliches Geschlecht im Dunklen zu lassen, muss aber auch eingestehen, dass mir keine einzige Publikation bekannt ist, in der er nicht als maskuline Gottheit beschrieben würde. (Das gilt übrigens auch für nahezu allen anderen Wesen des Mythos. Von Shub-Niggurat viellicht abgesehen.)

Noch mehr Podcasts

Durch Zufall bin ich in der letzten Woche direkt über zwei neue Podcasts gestolpert, die sich mit Chaosiums Cthulhu Invictus auseinandersetzen – und ganz unten gibts dann auch noch einen kurzen Teaser auf den Mai-Artikel:

(1) Im Miskatonic University Podcast Nr. 23 vom 20. Januar dieses Jahres wird dem – dort auch „Roman Empire Era“ genannten – Cthulhu Invictus die Titelgeschichte gewidmet. Etwa eine halbe Stunde lang tauschen sich die Keeper Dan, John, Murph und Chad über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Setting aus. Dabei kommen auch die typischen Probleme zur Sprache: Wie spielt sich eigentlich ein Sklave? Wie kann Ermittlungsarbeit in einer solchen Epoche funktionieren? Eignet sich Invictus für Backstory One-Shots zu Kampagnen aus anderen Zeiten? Ist die starke Religiösität der antiken Völker eher ein Hindernis oder Chance? Wie wirkt sich die Existenz von Auguren (evtl. sogar als Spielercharakter) aus? Muss ein Spielleiter Altertumswissenschaften studiert haben, um eine Invictus-Runde anbieten zu können? u.s.w.

Insgesamt sind die Reaktionen auf den Hintergrund im Podcast sehr positiv, alle Keeper würden das Setting spielen wollen, einer (Dan) hat sogar das Glück, gerade an einer Runde „The Legacy of Arrius Lurco“ teilnehmen zu dürfen. Speziell von ihm kommen dann auch viele praktische Tipps und Erfahrungswerte, die sich Interessenten durchaus genauer anhören sollten. Obwohl das Geschichtswissen der Diskutanten nicht perfekt ist, bieten sie zudem einige sehr interessante Abenteuerideen feil, die nur auf Verwertung warten. Speziell gelobt werden zudem Oscar Rios und die Jungs von Miskatonic River Press, der BRP-Band Rome, sowie die gleichnamige TV-Serie, die sich als Inspirationsquelle auch hier großer Beliebtheit erfreut.

Leider musste ich mich durch 90 Minuten anderer Themen hören, bevor es erst etwa in der 91. Minute des Podcasts interessant wurde. Ich empfehle allen, einfach vorzuspulen – sofern Euch nicht auch die anderen Rubriken ansprechen. Eine sehr ausführliche Inhaltsangabe gibt es unterhalb des Players.

(2) Im zuvor beschriebenen MU-Podcast wird zudem auf die Audio-Aufzeichnungen von Gladius Games verwiesen, die aktuell eine Gruppe durch die schon erwähnte Arrius-Lurco-Kampagne von MRP schicken. Derzeit sind auf der entsprechenden iTunes-Seite bereits 12 Teile verfügbar. Von der Inhaltsangabe zur letzten Datei ausgehend – die Gruppe hat nun Athen erreicht – müssten aber noch weitere Kapitel folgen. Leider kann ich zu dieser Reihe nichts weiter sagen, da ich mangels Mitgliedschaft im Kult des angebissenen Apfels nicht reinhören konnte. Wer stellt kostenlose Audio-Dateien auch ausgerechnet über iTunes in Netz? Mir absolut unverständlich.

Im Mai wird es auf Dis Invictis dann auch endlich mal wieder einen Spielbericht geben. Auf der ersten Cologne Mini Convention (3.5.-5.5.) gebe ich „Silva Nigra“ aus dem zweiten Kompedium Extrico Tabula. Ich hoffe, den Spielbericht dann bereits in der folgenden Woche online stellen zu können. Valete!