Archive | Februar 2014

Ghoule in der Krise – Von Nahrungsknappheit und ihrem Nutzen

Eigentlich sind sie aus dem Lovecraft-Universum kaum wegzudenken: in Pickman’s Model spielen sie die mythologische Hauptrolle, im berühmten Traumlande-Epos The Dream-Quest of Unknown Kadath sind sie ein entscheidender Faktor und auch an deren Stellen des Mythos-Universums tauchen sie mit schöner Regelmäßigkeit als eher profane Leichenfresser und Horrorelemente auf – Ghoule.

Angeregt durch einen Kommentar im offiziellen deutschen Forum zu Cthulhu muss an dieser Stelle aber darauf hingewiesen werden, dass es gerade für Spieler von Cthulhu Invictus nicht unproblematisch ist, diese Kreaturen in ihrer herkömmlichen Rolle einzusetzen. Die römischen Bestattungspraktiken machen den Ghoulen einen großen Strich durch die Rechnung, der sich vor allem als massive Nahrungsknappheit manifestiert. Denn speziell im spielerisch hoch-interessanten Zeitraum vom 1. Jh. v. Chr. bis zum Ende des 1. Jhs. n. Chr. präferierten die Römer die hygienische Brandbestattung, bei der schließlich nur Ascheurnen auf den Friedhöfen beigesetzt wurden. Dieser Umstand gilt dabei nicht nur für die ewige Stadt selbst, sondern ab dem ausgehenden 2. Jh. v. Chr. für den gesamten römischen Westen. Nur der östlichste Teil, der noch unter griechischem Einfluss stand, blieb dauerhaft bei der Körperbestattung. Erst ab dem 2. Jh. n. Chr. wandelt sich die Situation wieder und die ursprünglich arabischen Leichenfresser finden wieder genug Nahrung westlich des griechischen Festlands. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts setzt sich die Inhumation dann wieder vollständig im Reich durch – römische Kaiser werden aber erst seit dem 4. Jahrhundert wieder unverbrannt in die Erde gebettet.

Will man also Ghoule in einem Invictus-Setting unterbringen, sollte man sich ausgehend von diesen Informationen überlegen, wovon sich diese Kreaturen ernähren, in welcher Population sie auftreten und welche Motive sie haben könnten. Nahrungsmittelknappheit kann ein entscheidender Antriebsfaktor bei der Suche nach neuen Lebens- und Siedlungsräumen sein (Abwanderung in die äußeren Regionen des Reiches/Kulturraumes). Auch kann sie zu gesteigerter Aggressionsbereitschaft führen (Angriffe auf Lebende, Kampf untereinander um verbliebene Ressourcen), zu körperlichen Beeinträchtigungen (körperliche Schwäche, Krankheiten, Fehlbildungen), zu Ausweich- oder Ersatzverhalten (Schlachthöfe anstelle von Friedhöfen als Jagdrevier, ggf. werden aus Aasfressern auch Raubtiere), usw. Evtl. macht sich ein Kult die Hilflosigkeit der Ghoule zu nutze und beutet ihre Abhängigkeit von „Hilfslieferungen“ schamlos aus. So oder so bietet die Situation Gelegenheit, Ghoule in einem nicht ganz so stereotypen Licht zu sehen und ihrer animalischen  Gesellschaft mehr Tiefe zu spendieren. Habt ihr noch mehr Ideen für die Verwendung von Ghoulen in dieser Zeit? Kommentare sind erwünscht!

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