Archive | April 2014

Provinciae Germanicae

Obwohl die englische Original-Ausgabe von Cthulhu Invictus recht gut gelungen ist, Spaß macht und einige der dafür veröffentlichten Abenteuer sogar die germanischen Provinzen Roms zum Hintergrund haben, kommt in regelmäßigen Abständen der Wunsch nach einer deutschen Ausgabe auf. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage danach, ob man sich eine solche denn als reine Übersetzung oder doch eher als vollständige Überarbeitung mit inhaltlichen Änderungen oder Ergänzungen wünscht. Die erstere Form bedeutet für den deutschen Verlag im Grunde weniger Arbeit: es sind keine eigenen Materialrecherchen nötig, es müssen keine eigenen Autoren bezahlt, keine neuen Texte geschrieben werden. Wenn man eine 1:1 Übersetzung anfertigt, bleibt evtl. sogar das Layout inklusive der Illustrationen unangetastet. Es muss nur ein themenkundiger Übersetzer den Ursprungstext durcharbeiten. Fertig.

Dennoch hat sich Pegasus, der deutsche Lizenznehmer für Cthulhu, in der Vergangenheit – meiner Kenntnis nach – immer dazu entschieden, die Originaltexte intensiv zu bearbeiten. Sie wurden umgestellt, ergänzt, gekürzt, mit neuen Illustrationen und Layout versehen, teils regeltechnisch leicht verändert – kurzum: an das deutsche Publikum angepasst. Warum hat der Verlag dies getan? Zum einen weil durch solche Maßnahmen ein Mehrwert erzeugt wird, der speziell für den Verkauf ein gewichtiges Argument ist, denn natürlich sollen auch des Englischen mächtige Käufer die deutschen Ausgaben erwerben – die deutsche Szene ist generell zu klein und der Verlag deshalb darauf angewiesen, die Verkaufszahlen zu maximieren. Zweitens sind die Vorlagen seitens Chaosium qualitativ teils nicht ausreichend für die Ansprüche deutscher Kunden, was durch die deutsche Redaktion im Zuge der Überarbeitungen oft ausgeglichen werden muss. Zuletzt aber darf auch nicht vergessen werden, dass ein besonderer Reiz von Lokalisierungen darin besteht, den Leser dort abzuholen, wo er sich auskennt, bzw. auf Cthulhu angewendet: den kosmischen Horror zum Leser kommen und in seine bislang vermeintlich sichere Heimat einsickern zu lassen.

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