Antikes Britannien aus dem Gaslicht-Band

Zumindest seinem Namen nach sollte der vor einigen Monaten bei Pegasus-Spiele erschienene Band Cthulhu im Gaslicht eigentlich kein Thema für einen Blog sein, der sich mit antikem Horror beschäftigt. Doch schon in der Pressemeldung zur Veröffentlichung des Bandes gelang es einem einzelnen Satz, mich trotzdem neugierig zu machen. Denn dort steht: „[Ein Kapitel des Buches] zeigt den prähistorischen und antiken Mythos in Britannien“. Antiker Mythos in Britannien? Ist das nicht originär ein Thema für Invictus-Spieler? Oder wird hier mal wieder der Begriff „antik“ nur als „alt“ übersetzt und führt an dieser Stelle in die Irre? Nein, tatsächlich geht es im Kapitel Die in den Mooren lauern um Kelten und Römer! Müssen sich nun alle Fans von Cthulhu in der römischen Antike auch noch den Gaslicht-Band zulegen, damit sie bloß nichts Wichtiges verpassen?

Die Antwort dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit „Nein“ lauten, auch wenn das individuelle Gefühl von Vollständigkeit der eigenen Sammlung sicher eine nicht zu vernachlässigende Größe darstellt.  Rein faktisch bietet Gaslicht aber wenig Neues und beinahe noch weniger Verwertbares. Auf insgesamt acht Seiten werden die früheste Besiedlungsgeschichte (inkl. Schlangenmensch-Flüchtlingen aus Hyperborea und Gleichsetzungen keltischer Götter mit Mythos-Gottheiten), die britannische Welt unter der Erdoberfläche (inkl. Cthoniern), der kühle schottische Norden (inkl. Tiefen Wesen), die wichtigsten britischen Mythos-Werke (inkl. dem Chaat Aquadingen und fünf weiteren Texten), die keltischen Druiden (und ihre Beziehung zu Shub-Niggurath) sowie das „Kleine Volk“, also Feen und Kobolde, (inkl. einer Mythos-Erklärung) abgehandelt.

Der Text strotzt dabei von Einstreuungen klassischer Mythos-Autoren, die man zum größten Teil auch in der Dis InvictisBibliographie nachlesen kann: So wird natürlich auf Lovecrafts Ratten im Gemäuer Bezug genommen, auf Campells The Moon Lens, auf Howards Worms of the Earth; Brian Lumley und Arthur Machen bekommen jeweils einen eigenen Info-Kasten spendiert, weil sie die oben beschriebenen Monster und ihren Bezug zu Britannien mal verarbeitet oder bestimmte Elemente, derer man sich im Gaslicht-Band bedient, geschaffen haben. Explizit für eine Invictus-Runde verwerten lassen sich neben den schon genannten Wesen und Büchern ggf. noch die Geschichte des Helden Corineus, der Legende nach ein Trojaner, der Cornwall gegründet und einen Riesen besiegt haben soll, mind. zwei der vorgestellten Mythoswerke (Praesidia Finium, 183; Die Lieder des Eibon, 150), der Bezug zu Lucans Pharsalia, an dem die interpretatio Romana für Shub-Niggurath als Alma mater angedockt wird, sowie die Tatsache, dass Gloucester einst von den Römern als Garnisonstadt genutzt wurde und somit wunderbar als Verbindung ins mythische Severn Valley genutzt werden kann. Für die letzte Information musste man allerdings das Kapitel schon wieder verlassen und sich anderswo im Band umsehen: Im Kapitel zum Severn Valley findet sich auch noch eine Beschreibung der Campellschen Mondlinse in Goatswood, die aus römischer Besatzung stammen soll, sowie ein knapper Verweis auf dortige „römische Katakomben“.

Im Beiheift Kurioses Britannien tauchen schließlich noch einzelne Verweise auf die Antike bei Rudston und York (beide Yorkshire), Byard’s Leap (Lincolnshire), Dunwich (Suffolk), Chichester (Sussex), Stonehenge (Wiltshire) und Dartmoor (Devon) auf. Allerdings beschränken sich diese spärlichen Einwürfe auf rein historisch-geographische Angaben (römische Gründung, Siedlung, Römerstraßen), unbekannte Erbauer (Stonehenge) und spukende Legionäre (in York und Chichester). Dass dann auch das Cicero-Zitat in der Broschüre nicht wirklich in die mythisch-cthuloide Stimmung und Situation passt, verwundert dann auch nicht mehr.

Mehr Material für die britisch-römische Antike ist auf die Schnelle nicht zu finden. Für eine vollständige Lektüre des Gaslicht-Bandes fehlte mir allerdings noch die Zeit. Dieser geringe Umfang an spielrelevanten Informationen zum Invictus-Setting weckt gemischte Gefühle. Zum einen ist damit noch genug Platz, die römische Besatzung der Inseln mit eigenen Inhalten zu füllen (immerhin wäre ein Kapitel zu Britannia Pflicht in einer deutschen Invictus-Bearbeitung), andererseits wurde hier womöglich die einzige Chance vertan, entsprechendes Material überhaupt auf Deutsch zu publizieren. Denn allgemein sieht es derzeit weder bei Pegasus selbst noch bei dem Fanprojekt Cthulhus Ruf nach Unterstützung für ein antikes Cthulhu-Setting aus.

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2 responses to “Antikes Britannien aus dem Gaslicht-Band”

  1. Frostgeneral says :

    Schön, dass du zurück bist ^^ Danke für das update bezüglich Invictus

  2. Dis Pater says :

    Ich war nie weg. Es gibt eben nur turbulente und ruhigere Phasen im Leben. Da kommt noch einiges, hoffe ich, sofern die Turbulenzen sich zukünftig in Grenzen halten.

    Hast Du den Hinweis auf den „De horrore cosmico“-Kickstarter gesehen? Gibt aber auch noch mal einen entsprechenden Artikel zum Start der Finanzierung.

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