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Blutch „Peplum“

Das zumindest dürfte unstrittig sein: Gutes Rollenspiel braucht lebendige (gemeinsame) Bilder im Kopf. Inspirationsquellen, speziell visuelle, können enorm zu diesen Bildern beitragen. Allerdings sind gerade im Bereich der (römischen) Antike viele der älteren visuellen Quellen und auch noch eine erhebliche Zahl der jüngeren Veröffentlichungen nur bedingt zu diesem Zweck geeignet. Insbesondere kollidiert der Anspruch von etwa Cthulhu Invictus-Spielleitern, ein möglichst düsteres Rom in den Köpfen der Spieler entstehen zu lassen, oft mit den künstlerischen Darstellungen, die vor allem die Größe, Epik und neuerdings auch die Buntheit des Reiches zeigen wollen. Doch zum Glück gibt es auch Ausnahmen. Eine davon ist Peplum, gezeichnet und getextet vom französischen Künstler Blutch, alias Christian Hincker, auf Deutsch erschienen 2010 im Avant-Verlag.

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„Apollo“ (von Wodtke/Sirois)

Wie auch schon im Falle der antiken Zombie-Geschichte De bello lemures bin ich eher durch Zufall auf den scheinbar noch recht unbekannten Comic Apollo (Markosia, 2013) gestoßen. Erik von Wodtke (Text) und Douglas A. Sirois (Zeichnungen) liefern mit diesem achtzigseitigen Heft ihre ureigene cthuloide Interpretation der griechischen Mythenwelt ab, in welche sich Lovecrafts Großer Alter mehr oder minder hineinverirrt zu haben scheint.

Denn eigentlich spielt Cthulhu, obwohl er auf dem Cover des Bildbandes abgebildet ist, keine große Rolle in der Geschichte, die erzählt wird. Der Leser wundert sich vielleicht sogar, was ein geflügelter, tentakelbewehrter Außerirdischer mit der Sage von der eifersüchtigen Hera zu tun hat, die ihrem Mann und seiner Bettgespielin Leto hinterherjagt. Eigentlich nichts. Dennoch ist es Cthulhu höchstselbst, den die Mutter der Götter aus den Tiefen des Tartarus emporhebt, damit er Leto und ihre Kinder aufspüre und vernichte. Erst nachdem sich die von Zeus Geschwängerte mithilfe des Totenbuches des Hades auf die Insel Delos retten konnte, welche durch die Gesetze der Älteren Götter anscheinend neutrales Gebiet ist, kommt auch der Namensgeber eines ganzen Popkultur-Phänomens wieder zur Ruhe – bis er am Ende der Geschichte zur finalen Auseinandersetzung wieder auftaucht.

Natürlich wird an dieser Stelle nicht verraten, wie die umgedichtete Sage endet, doch wenn die Protagonisten im Hauptteil Apollo und Artemis heißen und man ein wenig bewandert in den beiden hier vermischten Mythologien ist, dann kann man sich einen großen Teil schon denken und wird wohl kaum enttäuscht werden. Doch selbst wenn einem die Geschichte als solche nicht zusagt, wird man immerhin durch sehr schöne Bilder getröstet, die aufgrund ihrer Sauberkeit und Blässe ein wenig an Buntstift-Zeichnungen erinnern und beim Leser umgehend das Gefühl auslösen, doch eher ein Kinderbuch vor der Nase zu haben, als einen Horror-Comic. Dazu trägt auch bei, dass der Text nicht in Form von Sprechblasen präsentiert wird, sondern wie bei Bilderbüchern für die Kleinsten nur in jeweils einem kleinen freistehenden Absatz pro Seite. So sollte sich der Band eigentlich auch gut fürs Vorlesen am heimischen Kinder-Bett eignen.

Ein ganz besonderes Augenmerk muss bei Abbildungen zu mythologischen Sagen auch stets auf den Kitsch-Faktor gerichtet werden, der bei Apollo dankenswerterweise nur sehr minimal ausgeprägt ist. Hier hat der Zeichner genug Modernität walten lassen, um Schwülstigkeits-Bauchschmerzen beim Leser zu verhindern. Das gelingt nicht jedem. Letztendlich kann man die Geschichte daher wunderbar als zeitgenössische Alternative zu den trockenen Texten der alten Autoren genießen. Es ist mal ein anderer Ansatz der hier präsentiert wird. Vielleicht, aber nur vielleicht kann man sich als Fans des Cthulhu-Mythos darüber ärgern, dass der Ansatz nicht bis zum bitteren Ende verfolgt wird. Cthulhu als einziges Element des Mythos im klassischen Altertum wirkt ein wenig verloren und beliebig – und wer sieht ihn schon gerne als Haustier der Hera?

Wer aber mit diesen Umständen leben kann, der bekommt mit Apollo für wenig Geld ($14.99/£ 9.99) ein Kleinod geliefert, das sauber produziert ist und das auch als Inspiration für Invictus-Szenarien taugen kann. (Zumindest, wenn man einen epischeren Spielstil anstrebt.)