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Lucius Artorius Castus: De bello lemures

Horror und Antike – die Produktpalette für Anregungen zu dieser Themen-Kombination ist äußerst überschaubar. Umso größer ist die Freude über ein kleines Büchlein, dass die aktuell allgegenwärtige Faszination in Bezug auf Zombies in die römische Antike hinüberträgt: De bello lemures – or the Roman war against the zombies of Armorica ist der Titel eines (fiktiven) Berichts des nobilis Lucius Artorius Castus aus dem 2. Jahrhundert, im (pseudo-) wissenschaftlichen Gewand präsentiert, herausgegeben und annotiert von Thomas Brookside. Auch wenn es sich hierbei nicht direkt um eine Erzählung aus der Welt des Mythos handelt, bietet der Text schon aufgrund seiner Form Parallelen zu cthuloiden Geschichten und darüber hinaus womöglich Einsichten und Vorlagen für entsprechende Abenteuer.

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Muzski „The Very Old Folk“

Gestern erst drauf aufmerksam gemacht worden: Auf DeviantArt hat Muzski eine kleine Reihe von insgesamt sechs Cover-Ideen zu klassischen Lovecraft-Geschichten veröffentlicht. Besonders jenes zu „The Very Old Folk“ fand ich erwähnenswert. Aber auch die anderen Bilder können sich sehen lassen – wenn sie auch ein wenig formelhaft immer eine sehr ähnliche Szene wiederholen und dem ein oder anderen möglichweise zu cartoonesk sein dürften. Ein Klick aufs Bild bringt Euch direkt zur großen Version des Bildes auf der Seite des Künstlers.

"The Very Old Folk" by Muzski

Geschichten zum Mythos in der römischen Antike gesucht

Nach dem (inzwischen mehrfachen) Lesen von Lovecrafts Gesamtwerk und nach inzwischen mehr als einhundert Mythos-(Kurz-)Geschichten aus der Feder von fast genauso vielen Autoren steht eindeutig fest: Es mangelt der Literaturlandschaft an Mythos-Erzählungen, die in der römischen Antike spielen! Entweder die entsprechenden Texte liegen (wie bei mir) unfertig in Schubladen und auf Festplatten brach – oder es gibt sie tatsächlich nicht. Doch Letzteres kann ich ehrlich gesagt kaum glauben.

Wenn aber selbst in einem Band wie Historical Lovecraft – Tales of Horror through Time (hrsg. v. Silvia Moreno-Garcia und Paula R. Stiles, Innsmouth Free Press, 2011) keine einzige Geschichte zu finden ist, die in römischer Zeit bzw. unter Römern spielt, dann macht das zugegebenermaßen stutzig. Im ersten Kapitel „Ancient History“ tauchen hier zwar Erzählungen aus dem neusteinzeitlichen Mesopotamien, Akkadien/Sumer, dem archaischen bzw. klassischen Griechenland, dem Ägypten der 18. Dynastie und Palästina sowie sogar aus dem indisch-chinesischen Grenzgebiet des 5 Jh. auf – an die ewige Stadt, ihre Bewohner und Provinzen hat sich aber keiner der Autoren herangetraut. Über mögliche Gründe dafür, diesen Kulturraum auszulassen, kann dabei nur spekuliert werden. Insbesondere, da die Veröffentlichungen rund um Chaosiums Cthulhu Invictus den Herausgebern doch bekannt gewesen sein dürften.

Am so oft gehörten Vorurteil, man könne die Atmosphäre des Mythos nicht oder nur schwer in antike Kulturen übertragen, kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn unter den hier aufgeführten Geschichten gibt es durchaus solche, die gut funktionieren. Man muss sich allerdings auf das besondere Setting einlassen – und vor allem sorgfältig mit seiner Sprache umgehen. Das Störendste bei der Lektüre der oben gelisteten Erzählungen war jedenfalls regelmäßig nicht die schwache Recherche oder die oft nur blasse Ausgestaltung des historischen Hintergrunds, sondern viel eher die selbstverständliche Verwendung von sprachlichen Modernismen und Neologismen in zeitlichen Kontexten, in denen die Menschen mit den entsprechenden Konzepten nichts anfangen konnte. Entsprechend ist der stilistisch beste Text tatsächlich der eines Fachmannes (Alter S. Reiss), der bewusst den Stil der von ihm beschriebenen Zeit kopiert.

Wie dem auch sei: Wer eine Mythos-Geschichte in antik-römischem Kontext findet, der weise mich bitte auf diese hin (per Kommentar oder E-Mail)!