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Muzski „The Very Old Folk“

Gestern erst drauf aufmerksam gemacht worden: Auf DeviantArt hat Muzski eine kleine Reihe von insgesamt sechs Cover-Ideen zu klassischen Lovecraft-Geschichten veröffentlicht. Besonders jenes zu „The Very Old Folk“ fand ich erwähnenswert. Aber auch die anderen Bilder können sich sehen lassen – wenn sie auch ein wenig formelhaft immer eine sehr ähnliche Szene wiederholen und dem ein oder anderen möglichweise zu cartoonesk sein dürften. Ein Klick aufs Bild bringt Euch direkt zur großen Version des Bildes auf der Seite des Künstlers.

"The Very Old Folk" by Muzski

Lovecraft und die Antike (III)

Die bisherigen Beiträge in dieser Reihe beschäftigten sich zum Einen mit Howard Phillips Lovecrafts jugendlicher Begeisterung für die Antike (vgl. Lovecraft und die Antike I) sowie zum Anderen mit zwei seiner frühen Erzählungen, die zwar eindeutige, aber eher nebensächlichere Bezüge zum römischen Altertum aufwiesen (vgl. Lovecraft und die Antike II). Zum (vorläufigen?) Abschluss dieser Mini-Serie muss nun aber zumindest noch die eine Mythos-Geschichte hervorgehoben werden, die die Antike nicht nur als Dekoration benutzt und aus der Gegenwart heraus betrachtet, sondern deren Handlung als einzige tatsächlich in diesem Zeitalter angesiedelt ist. Die Rede ist natürlich von „The Very Old Folk“ (1927; deutsch: „Das Uralte Volk“).

Schon der Ursprung dieser kurzen Erzählung ist legendär – und wird von Daniel Harms, dem Autor der berühmten Cthulhu Encyclopedia, in der Usenet-Gruppe alt.horror.cthulhu so überliefert: Lovecraft habe, nachdem er zuvor in der Aeneis des Vergil gelesen hatte, in der Halloween-Nacht 1927 einen Traum gehabt. Aus diesem Traum seien dann drei Briefe entstanden, die alle im Kern die gleiche Geschichte enthielten, sich aber im Grad der Ausarbeitung der Prämisse und im konkreten Wortlaut teils stark voneinander unterschieden. Nur eine dieser Brieffassungen, diejenige, die an Donald Wandrei ging, wurde später (erst 1940) veröffentlicht, die beiden anderen Versionen gingen zunächst für die Öffentlichkeit verloren, bis Lovecrafts gesammelte Schriften vom Verlag Arkham House verfügbar gemacht wurden, in denen seine Briefe mit abgedruckt sind. Dass aber überhaupt eine der Varianten in Form eines Fragments als eigenständiger Text unter seinem Namen publiziert wurde, war von Lovecraft ursprünglich gar nicht beabsichtigt. Er hatte zwar mit der Idee gespielt, dann aber sein Interesse an ihr verloren und sie Frank Belknap Long überlassen, welcher sie schließlich in seiner Novelle „The Horror from the Hills“ einbaute. Mit diesem Hinüberwechseln der Erzählung in die Hände eines anderen Autors endet verständlicherweise Harms Interesse an der Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte.

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Lovecraft und die Antike (II)

Obwohl Lovecraft schon als Kind von griech-röm. Mythologie begeistert war (vgl. Lovecraft und die Antike I) gingen noch Jahrzehnte ins Land bis er dieses Interesse erstmals literarisch verarbeitete – und zwar zunächst im schon vorgestellten „Poetry and the Gods“ (1920). In dieser Frühphase seines Schaffens verzichtete Lovecraft dabei noch auf die Verbindung der antiken Themen mit Elementen, die auf seinen späteren „Cthulhu Mythos“ hinweisen könnten. Erst 1923 bzw. 1926 änderte sich dies. In seinen Erzählungen „The Rats in the Walls“ (1923) und „The Descendant“ (1926) wird die antike Kultur endlich zu einem Teil des kosmischen Schreckens.

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Lovecraft und die Antike (I)

Wenn man sich mit der Idee, den Cthulhu-Mythos in der Antike zu erleben, eine Weile beschäftigt, dann fragt man sich irgendwann geradezu zwingend, wie H. P. Lovecraft, der Begründer dieses Mythos, es denn selbst mit dieser Epoche gehalten hat. Interessanterweise kann man in seinen Arbeiten eine ganze Reihe an Hinweisen zu seinem Verhältnis gegenüber den alten Griechen und Römern finden. In dieser losen Reihe möchte ich einige davon vorstellen.

Im ersten Teil soll eine Passage aus Lovecrafts autobiographischer Schrift Some Notes on a Nonentity (1933) im Mittelpunkt stehen. Hier erklärt der Autor, wie er bereits im zarten Alter von sechs Jahren die griechisch-römische Mythologie für sich entdeckte:

When I was six years old I encountered the mythology of Greece and Rome through various popular juvenile media, and was profoundly influenced by it. I gave up being an Arab and became a Roman, incidentally acquiring for ancient Rome a queer feeling of familiarity and identification only less powerful than my corresponding feeling for the eighteenth century. In a way, the two feelings worked together; for when I sought out the original classics from which the childish tales were taken, I found them very largely in late seventeenth and eighteenth century translations. The imaginative stimulus was immense, and for a time I actually thought I glimpsed fauns and dryads in certain venerable groves. I used to build altars and offer sacrifices to Pan, Diana, Apollo, and Minerva.

Den Einfluss, den diese Phase seiner Kindheit noch auf sein späteres Wirken haben sollte, kann man vielleicht abschätzen, wenn man die erstmals 1920 veröffentlichte Erzählung Poetry and the Gods liest, deren Mittelteil von einer Zusammenkunft griechischer Göttergestalten auf dem Parnassus berichtet. Dieses Stück schwere Kost hat zum Glück weiter keine große literarische Bedeutung – und auch für den Mythos rund um Cthulhu ist die Geschichte irrelevant. Anders allerdings andere seiner Geschichten, in denen Lovecraft sein Interesse für die Antike offenkundig hat sichtbar werden lassen. Doch dazu später mehr.