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Wie dekliniert man eigentlich … Cthulhu?

In dieser neuen, nicht ganz so ernst gemeinten Reihe, widme ich mich den grammatischen Schwierigkeiten, die der Cthulhu-Mythos in der römischen Antike mit sich bringt.

Wenn am Spieltisch echt-römische Atmosphäre aufkommen soll, dann sind lateinische Floskeln oder gar aufwendig gestaltete Handouts in der Sprache der Römer, die zum Beispiel Inschriften, Briefe, Zauber oder Ähnliches repräsentieren sollen, ein naheliegendes Mittel, um diese Stimmung zu erzeugen. Dumm nur, dass die Römer bestimmte Vokabeln wie etwa „Cthulhu“ noch nicht kannten, man die grammatischen Basis-Informationen zu diesem Wort also nicht einfach im Stowasser oder im Georges findet. Dementsprechend habe ich ersteinmal selbst festlegen müssen, in welche Deklinationen etwa die Namen der Mythos-Götter hineingehören – hier erstmal der Vorschlag für die bekanntesten fünf:

  • Cthulhu, Cthulhus n. (ggf. m. als Sonderfall)
  • Cyaega, Cyaegae m.
  • Dagon, Dagonis m.
  • Hastur, Hasturis m.
  • Nyarlathotep, Nyarlathotepis m.

Im Falle von „Cthulhu“ sähe die Deklinationstabelle also so aus:

  Singular Plural
Nominativ Cthulhu entfällt
Genitiv Cthulhus entfällt
Dativ Cthulhui entfällt
Akkusativ Cthulhu (!) entfällt
Ablativ Cthulhu entfällt

Ob man dem Großen Alten dann ausnahmsweise das männliche Geschlecht zusprechen will (grammatisch läge eher das Neutrum nahe), ist eine Geschmacksfrage. Ich persönlich finde die Idee passend, Cthulhus natürliches Geschlecht im Dunklen zu lassen, muss aber auch eingestehen, dass mir keine einzige Publikation bekannt ist, in der er nicht als maskuline Gottheit beschrieben würde. (Das gilt übrigens auch für nahezu allen anderen Wesen des Mythos. Von Shub-Niggurat viellicht abgesehen.)

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Lux in Tenebras – oder: der Lokativ im Lateinischen

Die neueste Publikation zu Cthulhu Invictus aus dem Hause Miskatonic River Press heißt Lux in Tenebras. Ja richtig gelesen: in tenebras. Wenn Dich dieser Titel beim Lesen wundert und Du stattdessen eher in tenebris erwartet hättest, dann mach Dir keine Sorgen: Dein Gefühl trügt Dich nicht! Da hat jemand bei MRP anscheinend geschlafen – oder kann schlichtweg kein Latein.

Dabei wäre dieser Fehler eigentlich leicht zu vermeiden, wenn man die Verwendung der Kasus im Lateinischen korrekt beherrscht. Der Untertitel des Bandes heißt nämlich ganz eindeutig „A Light in Darkness“. Somit ist in tenebras klar als Lokativ zu verstehen. Der Satzteil antwortet auf die Frage „Wo?“. Der korrekte, lateinische Kasus, um auf diese Frage zu antworten, ist der Ablativ – und dieser lautet beim Plural-Wort tenebrae eben tenebris. Der im Titel des oben genannten Produkts verwendete Akkusativ kommt hingegen nur als Antwort auf die Frage „Wohin?“ in Betracht. Dann müsste m. E. im Englischen aber „A Light into Darkness“ stehen, um eine äquivalente Satzaussage zu tätigen.

Ich habe bereits eine elektronische Anfrage an MRP geschickt in der Hoffnung, dass sie den Fehler korrigieren (immerhin handelt es sich um ein rein elektronisch vertriebenes Produkt, das sollte also eigentlich ein Leichtes sein) oder aber zumindest eine Erklärung nachliefern. Vielleicht habe ich ja tatsächlich irgendeine grammatikalische Besonderheit übersehen?