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Antikes Britannien aus dem Gaslicht-Band

Zumindest seinem Namen nach sollte der vor einigen Monaten bei Pegasus-Spiele erschienene Band Cthulhu im Gaslicht eigentlich kein Thema für einen Blog sein, der sich mit antikem Horror beschäftigt. Doch schon in der Pressemeldung zur Veröffentlichung des Bandes gelang es einem einzelnen Satz, mich trotzdem neugierig zu machen. Denn dort steht: „[Ein Kapitel des Buches] zeigt den prähistorischen und antiken Mythos in Britannien“. Antiker Mythos in Britannien? Ist das nicht originär ein Thema für Invictus-Spieler? Oder wird hier mal wieder der Begriff „antik“ nur als „alt“ übersetzt und führt an dieser Stelle in die Irre? Nein, tatsächlich geht es im Kapitel Die in den Mooren lauern um Kelten und Römer! Müssen sich nun alle Fans von Cthulhu in der römischen Antike auch noch den Gaslicht-Band zulegen, damit sie bloß nichts Wichtiges verpassen?

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Savage Worlds: Weird Wars Rome

Mit Weird Wars Rome (kurz: WWR) veröffentlichte der us-amerikanische Verlag Pinnacle Entertainment im letzten Jahr bereits die vierte Inkarnation seiner epochen-übergreifenden Weird Wars-Reihe (nach Weird War II, Weird Wars Vietnam und Necropolis). Die Eigenbeschreibung als „(militärisches) Horror-Rollenspiel in der römischen Antike“ setzt WWR in direkte Konkurrenz zu Chaosiums Cthulhu Invictus, in welchem ja auch rein militärische Szenarien möglich sind (vgl. etwa das hier im Blog schon vorgestellte Abenteuer Silva Nigra, u.a.). Ist Savage Worlds vielleicht das bessere System für bestimmte Anlässe und Situationen eines Horror-Rollenspiels in der römischen Antike? Kann man es als Ideen-Steinbruch nutzen, um Lücken in der Cthulhu Invictus-Produktpalette zu schließen? Oder sollten Freunde antiken Horrors doch lieber einen großen Bogen um dieses Buch machen? Dis Invictis verschafft sich einen Überblick über die Vor- und Nachteile des Settingbandes aus der Sicht eines Cthultisten.

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Ghoule in der Krise – Von Nahrungsknappheit und ihrem Nutzen

Eigentlich sind sie aus dem Lovecraft-Universum kaum wegzudenken: in Pickman’s Model spielen sie die mythologische Hauptrolle, im berühmten Traumlande-Epos The Dream-Quest of Unknown Kadath sind sie ein entscheidender Faktor und auch an deren Stellen des Mythos-Universums tauchen sie mit schöner Regelmäßigkeit als eher profane Leichenfresser und Horrorelemente auf – Ghoule.

Angeregt durch einen Kommentar im offiziellen deutschen Forum zu Cthulhu muss an dieser Stelle aber darauf hingewiesen werden, dass es gerade für Spieler von Cthulhu Invictus nicht unproblematisch ist, diese Kreaturen in ihrer herkömmlichen Rolle einzusetzen. Die römischen Bestattungspraktiken machen den Ghoulen einen großen Strich durch die Rechnung, der sich vor allem als massive Nahrungsknappheit manifestiert. Denn speziell im spielerisch hoch-interessanten Zeitraum vom 1. Jh. v. Chr. bis zum Ende des 1. Jhs. n. Chr. präferierten die Römer die hygienische Brandbestattung, bei der schließlich nur Ascheurnen auf den Friedhöfen beigesetzt wurden. Dieser Umstand gilt dabei nicht nur für die ewige Stadt selbst, sondern ab dem ausgehenden 2. Jh. v. Chr. für den gesamten römischen Westen. Nur der östlichste Teil, der noch unter griechischem Einfluss stand, blieb dauerhaft bei der Körperbestattung. Erst ab dem 2. Jh. n. Chr. wandelt sich die Situation wieder und die ursprünglich arabischen Leichenfresser finden wieder genug Nahrung westlich des griechischen Festlands. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts setzt sich die Inhumation dann wieder vollständig im Reich durch – römische Kaiser werden aber erst seit dem 4. Jahrhundert wieder unverbrannt in die Erde gebettet.

Will man also Ghoule in einem Invictus-Setting unterbringen, sollte man sich ausgehend von diesen Informationen überlegen, wovon sich diese Kreaturen ernähren, in welcher Population sie auftreten und welche Motive sie haben könnten. Nahrungsmittelknappheit kann ein entscheidender Antriebsfaktor bei der Suche nach neuen Lebens- und Siedlungsräumen sein (Abwanderung in die äußeren Regionen des Reiches/Kulturraumes). Auch kann sie zu gesteigerter Aggressionsbereitschaft führen (Angriffe auf Lebende, Kampf untereinander um verbliebene Ressourcen), zu körperlichen Beeinträchtigungen (körperliche Schwäche, Krankheiten, Fehlbildungen), zu Ausweich- oder Ersatzverhalten (Schlachthöfe anstelle von Friedhöfen als Jagdrevier, ggf. werden aus Aasfressern auch Raubtiere), usw. Evtl. macht sich ein Kult die Hilflosigkeit der Ghoule zu nutze und beutet ihre Abhängigkeit von „Hilfslieferungen“ schamlos aus. So oder so bietet die Situation Gelegenheit, Ghoule in einem nicht ganz so stereotypen Licht zu sehen und ihrer animalischen  Gesellschaft mehr Tiefe zu spendieren. Habt ihr noch mehr Ideen für die Verwendung von Ghoulen in dieser Zeit? Kommentare sind erwünscht!

Polyeder Podcast: Interview mit Oscar Rios

Für sein zweites Sommergespräch konnte Markus Widmer vom Polyeder Podcast eine Ikone des Invictus-Settings gewinnen: Oscar Rios beantwortet knappe zwanzig Minuten lang diverse Fragen. So beschreibt er seinen Karriereweg als Call of Cthulhu-Autor (er hat nach eigener Zählung bereits 64 Szenarien verfasst!), seine Mitarbeit an Cthulhu Invictus und die Entstehung der bislang einzigen Invictus-Kampagne The Legacy of Arrius Lurco. Dabei geht er auch ausführlich auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Römerzeit im Vergleich mit unserer Gegenwart ein, welche diese Epoche als Setting so interessant machen. Nebenbei entlockt Widmer seinem Gast auch noch einige Bemerkungen zur Neuauflage von Horror im Orient Express und der 7th Edition sowie natürlich zu seinem derzeit wichtigsten Projekt Island of Ignorance – The Third Cthulhu Companion. Darüber hinaus gibt Rios noch einen kurzen Ausblick auf zwei weitere, zukünftige Veröffentlichungen seines eigenen Verlages Golden Goblin Press, darunter auch eine sehr freudige Überraschung für Invictus-Fans. Es lohnt sich also, bis zum Ende genau zuzuhören!

Hier gehts zur Seite mit dem Podcast-Link:

http://www.aceofdice.com/podcast/?p=433

Wie dekliniert man eigentlich … Cthulhu?

In dieser neuen, nicht ganz so ernst gemeinten Reihe, widme ich mich den grammatischen Schwierigkeiten, die der Cthulhu-Mythos in der römischen Antike mit sich bringt.

Wenn am Spieltisch echt-römische Atmosphäre aufkommen soll, dann sind lateinische Floskeln oder gar aufwendig gestaltete Handouts in der Sprache der Römer, die zum Beispiel Inschriften, Briefe, Zauber oder Ähnliches repräsentieren sollen, ein naheliegendes Mittel, um diese Stimmung zu erzeugen. Dumm nur, dass die Römer bestimmte Vokabeln wie etwa „Cthulhu“ noch nicht kannten, man die grammatischen Basis-Informationen zu diesem Wort also nicht einfach im Stowasser oder im Georges findet. Dementsprechend habe ich ersteinmal selbst festlegen müssen, in welche Deklinationen etwa die Namen der Mythos-Götter hineingehören – hier erstmal der Vorschlag für die bekanntesten fünf:

  • Cthulhu, Cthulhus n. (ggf. m. als Sonderfall)
  • Cyaega, Cyaegae m.
  • Dagon, Dagonis m.
  • Hastur, Hasturis m.
  • Nyarlathotep, Nyarlathotepis m.

Im Falle von „Cthulhu“ sähe die Deklinationstabelle also so aus:

  Singular Plural
Nominativ Cthulhu entfällt
Genitiv Cthulhus entfällt
Dativ Cthulhui entfällt
Akkusativ Cthulhu (!) entfällt
Ablativ Cthulhu entfällt

Ob man dem Großen Alten dann ausnahmsweise das männliche Geschlecht zusprechen will (grammatisch läge eher das Neutrum nahe), ist eine Geschmacksfrage. Ich persönlich finde die Idee passend, Cthulhus natürliches Geschlecht im Dunklen zu lassen, muss aber auch eingestehen, dass mir keine einzige Publikation bekannt ist, in der er nicht als maskuline Gottheit beschrieben würde. (Das gilt übrigens auch für nahezu allen anderen Wesen des Mythos. Von Shub-Niggurat viellicht abgesehen.)