Es ist nicht tot, was ewig liegt …

Mit welchen anderen Worten könnte der erste von hoffentlich vielen neuen Beiträgen eines dem Cthulhu-Mythos gewidmeten Blogs nach einer (sehr) langen Pause wohl besser beginnen? Knapp drei Jahre ist es jetzt her, dass an dieser Stelle das letzte Mal mehr oder minder regelmäßig Artikel zu H.P. Lovecraft und Rollenspielen in der Antike erschienen sind. Im Herbst 2015 begann für diesen Blog eine vielleicht schon 2014 absehbare und bis heute anhaltende inhaltliche Ruhephase, die 2017 nur kurz für den aktuellsten Kickstarter von Golden Goblin Press zu Cthulhu Invictus unterbrochen wurde. Dabei hatte 2015 scheinbar großartig begonnen: Mit „In Via Flaminia“ sollte ein Foren-RPG im offiziellen deutschen CoC-Forum stattfinden, es gab meinerseits Ambitionen sogar mal einen Artikel in einem offiziellen RPG-Produkt oder in der inzwischen schon legendären Fanzeitung Cthulhus Ruf unterzubringen, und per Mail/Direktnachrichten hatte ich diverse Angebote zum Bespielen und Weiterentwickeln des Invictus-Settings von Fans aus meiner Region erhalten. Doch dann war plötzlich Schluss und auf allen Kanälen Funkstille – einige Leute habe ich damit vor den Kopf gestoßen. Was war passiert?

Die Kurzfassung lautet: Das Leben. Für diejenigen, denen das als Erklärung für unbeantwortete Mails und abgebrochene Runden nicht reicht, muss ich vielleicht etwas genauer werden – ohne dabei aber zu sehr ins Detail zu gehen, denn das hier ist das Internet und manche Dinge gehören nicht auf einen öffentlichen Blog, sondern höchstens in ein persönliches Gespräch. Im Grunde ist es aber ganz einfach: Es wurde alles zuviel. Neben Familie, neuer Beziehung, Umzug, Veränderungen im Beruf und dem Ehrenamt war für ein zeit- und sozialintensives Hobby wie das Rollenspielen plötzlich keine Zeit und keine Kraft mehr da. Ich hatte mich schlicht übernommen. Das passiert mir ab und an, aber ich kann damit zum Glück immer besser umgehen. Dazu gehört, dass ich die Reißleine ziehen und zügig Projekte – und ja: auch Freunde oder ganze Hobbys – zeitweise oder komplett auf Eis legen muss, um mich zu sammeln und wieder Oberwasser zu bekommen.

Hinzu kam, dass schon vor 2015 eine ganze Reihe von Dingen in der RPG-Szene in Bewegung gerieten, mit denen ich mich nicht so recht anfreunden konnte (und auch teilweise noch nicht angefreundet habe). Vom Verlag der deutschen Cthulhu-Ausgabe habe ich mich z.B. nicht nur wegen des neuen Chefredakteurs, der verfehlten Produktpolitik und der neuen Regeledition distanziert, sondern auch weil es im englischsprachigen Bereich inzwischen eine ganze Reihe an besseren Systemen und Ansätzen gibt, Trail of Cthulhu von Pelgrane Press etwa, welches aktuell noch immer meine erste Wahl ist. Mit der Vielfalt an RPG-Systemen (sowie der schier endlosen Reihe an Brettspielen und der Übernahme des Mythos in die Popkultur, z.B. in South Parkden Simpsons, etc.) stellte sich gleichzeitig aber auch eine Art Ermüdung bei mir ein. Der Mythos wurde totgeritten – und wird es bis heute. Die gesammelte Liste von cthuloiden RPGs wird stetig länger, und ist trotzdem nicht vollständig (es fehlt z.B. The Yellow Sign, das ebenfalls bei Pelgrane Press erschienen ist).

Nicht zuletzt habe ich vor drei Jahren doch ziemlich akut mit der Fanbasis in der deutschen Cthulhu– bzw. RPG-Szene generell gehadert. Die vielen personellen und geschäftlichen Verstrickungen und Abhängigkeiten innerhalb der Szene, die Neigung lieber Erzähl- & Sammel- als Spielbücher zu konsumieren, elitäres Gehabe und exklusive Zirkel (alles streng limitiert!) sowie die fehlende Offenheit für neue (d. h. amerikanische) Ansätze und berechtigte Kritik haben mich, in Kombination mit dem damals noch vorherrschenden Quasi-Monopol des geflügelten Pferdes am deutschen Markt, letztlich nicht nur aus dem deutschen Forum, sondern erstmal (nahezu) komplett aus dem Hobby vertrieben. Ich fühlte mich schlichtweg überfordert und zugleich nicht mehr gewollt in der Szene, der ich mich eigentlich seit dem ersten Kontakt mit dem Mythos ca. 1999 zugehörig gefühlt hatte. Treu geblieben bin ich in dieser Zeit nur einigen wenigen Rollenspielern, z.B. purpltntcl, Markus Widmer, Tim, dem Zwart oder Arkanil – bei deren Projekten sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt.

Was hat sich nun geändert, dass ich den Blog jetzt wiederbelebe? Ehrlich gesagt bin ich mir da nicht ganz sicher. Ja, ich habe wieder ein kleines Zeitfenster gefunden, in dem ich mich dem Blog und seinen Themen (Lovecraft, Horror in der Antike, ggf. auch Rollenspielen) widmen kann – und aus der Vergangenheit wie Gegenwart liegen einige Ideen auf meinem Schreibtisch und meiner Festplatte, die eine Um- oder Fortsetzung verdient hätten. Zuallererst muss ich mich aber selbst mal über die unzähligen Neuerungen informieren, die ich zwischenzeitlich nur am Rande mitbekommen habe, z.B. mit der Gründung der DLG und mit ihrem FHTAGN, welches anscheinend das BRP (und damit grundsätzlich auch Invictus) aus den Klammern des Monopolisten befreien könnte. Daher will ich niemandem irgendwelche Versprechungen machen. Es wird erstmal keine Regelmäßigkeit bei den Beiträgen geben und auch keine Ankündigungen von Themen, mit denen ich mich befassen will. Veröffentlicht wird, was fertig ist – und zwar genau dann, wenn es fertig ist. Wer nichts verpassen will, der sollte diesem Blog via WordPress-Follow oder RSS-Feed folgen. Oder auf meinem Twitter-Account @DisInvictis reinschauen.

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3 responses to “Es ist nicht tot, was ewig liegt …”

  1. Sorben says :

    Welcome back 😉

  2. purpletentacle says :

    Ich kann das sehr gut Nachvollziehen. Mein Blog schläft ja nicht ohne Grund vor sich hin. Die Szene ist mWn halt irgendwie kaputt. deiner Pegasus Wahrnehmung kann ich nur energisch nicken, den „Lets Play/Streaming Trend“ finde ich belanglos bis „zum fremdschämen“ und was bspw. Ulisses mit seinen Crowdfoundings anstellt ist für mich absolut nicht nachvollziehbar und unverständlich.
    Aber trotzdem vielen Dank für für deine Empfehlung!

  3. Dis Pater says :

    Danke euch beiden für die netten und verständnisvollen Worte.

    … und entschuldigt bitte das späte Veröffentlichen der Kommentare – ich hatte vergessen, dass der Blog so eingestellt ist, dass jeder Kommentar genehmigt werden muss. (Werde das mal umstellen, so dass jeder, der schon mind. einen genehmigten Kommentar geschrieben hat, sofort veröffentlicht wird.)

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